Norwegische Siedler brachten im 9. Jahrhundert
Pferde aus Nordeuropa und den britischen Inseln mit nach Island. Da bereits kurz nach der Landnahme ein Einfuhrverbot verhängt wurde, entspricht das heutige Islandpferd weitgehend dem Pferdetyp, der vor ca. 1000 Jahren im Norden Europas und auf den britischen Inseln verbreitet war: Ein flinkes, zähes und recht kleines Pferd mit stabilem Fundament, dass aufgrund seiner lateralen Gangveranlagung auch auf langen Strecken äußerst bequem zu sitzen war.
Über die Jahrhunderte haben sich die ca. 1,30m bis 1,45m großen Pferde in
einer
harten Auslese der extremen Witterung des Nordatlantik und dem kargen
Nahrungs
-angebot Islands angepasst. Diese unwirtlichen Lebensbedingungen
haben
ausgeglichene Pferde mit sehr starker Persönlichkeit hervorgebracht,
die sich unter
freiem Himmel und in der Gemeinschaft der Herde am wohlsten
fühlen.
Dank ihres kräftigen Knochenbaus, den kompakten Gelenken und einer
außergewöhnlich straffen Muskulatur, stehen Islandpferde ihren größeren
Verwandten in Kraft und Ausdauer in nichts nach.Gegenüber anderen,
moderneren Gangpferderassen, etwa aus Lateinamerika und den USA,
unterscheiden sich Islandpferde vor allem durch ihre Robustheit und ihr
sehr vielseitiges Gangvermögen.
Es ist ihr urwüchsig-ehrlicher Charakter, gepaart mit großer Lauffreude und Ausdauer, der die Faszination dieser kleinen Pferde ausmacht, egal ob sie hauptberuflich Freizeitkumpel oder Turniercrack sind. Oder beides, – denn, wer einmal erlebt hat, wie sich der gerade noch so heißblütige Star der Fünfgangprüfung lammfromm vom kleinen Töchterlein des Siegers vom Platz führen lässt, der wird dieses Bild nie vergessen…
Tölt und Pass
Die Veranlagung zur lateralen Gangverschiebung ist bei Islandpferden genetisch
fixiert, aber unterschiedlich stark ausgeprägt. Je nach Veranlagung und Ausbildungs-
stand unterscheidet man zwischen Drei-, Vier- und Fünfgängern, Naturtöltern und
Rennpassern.
Der Tölt ist ein Viertakt, bei dem immer ein oder zwei Hufe zeitgleich den Boden berühren.
Dadurch gibt es keine Sprungphase, wie z.B. im Trab, und der Reiter sitzt in jedem Tempo
nahezu erschütterungsfrei. Ein guter Tölter besticht durch die Kombination aus Mühelosig-
keit und Tempo, mit der er uns scheinbar bis ans Ende der Welt tragen will.
Ein unvergessliches Erlebnis!
Pass ist ein lateraler Zweitakt mit Sprungphase, der sich in ganz schnellem Tempo zum Viertakt verschiebt. Gewünscht ist der Pass allerdings erst im Renntempo. Dieser Rennpass wird nur auf kurzen Strecken geritten, und schnelle Pferde können über 45 km/h erreichen.
Und der Haken?
Wer so viele Gänge kann, mischt sie auch mal gerne kreuz und quer durcheinander, vom passigen Schritt, über den Trabtölt, bis zum Passgalopp – um nur einige Varianten zu nennen. Je nach Veranlagung und Ausbildungsstand des Pferdes sind also eine sehr einfühlsame Hilfengebung und ein gutes Taktgefühl gefordert, um das Pferd in allen Gängen locker und taktklar zu reiten. Und genau diese Herausforderung macht die Islandpferdereiterei so spannend und einzigartig...
Wobei, für manche ist es wohl doch eher der hohe Knuddelfaktor... ;-)
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